Bei Check24 gibt es zur Zeit - noch bis 31.07.2014 einen auf den ersten Blick sehr günstigen Onlinekredit. 3000 € soll es schon für 1,99% p.a. effektiv geben. Zugegeben, das hat mich sehr neugierig gemacht, auch wenn ich ihn nicht dringend brauche. Mich interessierte die Variante 3.000 € für 24 Monate - auf der Check24 Seite wird mir hier eine Rate von 127,58 € angezeigt.
Nachdem ich mal auf weiter geklickt habe lande ich auf einer speziellen Seite der Santander Consumer Bank. Die Rate ist hier um wundersame 14 Cent gestiegen, aber das soll mich nicht stören.

Ich klicke also auf Angebot berechnen und gebe die folgenden Daten ein. Ein Darlehensnehmer. Verwendungszweck Dispo ausgleichen. Weiterhin gebe ich meine persönlichen Daten, meine Adresse, meine Telefonummer und Emailadresse ein, klicke an, dass ich auf "persönliche Angebote" verzichte und gebe zusätzlich meinen Familenstand ein. Natürlich mache ich von allem zur Erinnerung einen sauberen Screenshot. Nun klicke ich im zweiten Schritt zu den beruflichen Angaben an, dass ich Angestellter bin und in einem unbefristen Arbeitsverhältnis unterwegs bin. Im 3. Schritt gebe ich mein Gehalt an und dass ich für keine Kinder unterhaltspflichtig bin - screenshot. Versteht sich. Ebenfalls gebe ich an, dass ich keine Fremdverpflichtungen ablösen möchte, ob ich ein Auto habe und wie ich wohne. In Schritt 4 stimme ich natürlich den AGB und einer Schufaabfage zu. Weiterhin mache ich mir die Mühe auszuwählen, dass ich keine der angebotenen Versicherungsleistungen wünsche.

In Schritt 5 gebe ich meine aktuelle Bankverbindung ein - schließlich muss der Kredit ja ausgezahlt werden und die Raten müssen abgebucht werden. Nocheinmal weiter - und schon bin ich fertig. Ich bekomme die Info, dass die Mitarbeiter der Santander Consumer Bank meinen Antrag prüfen und mir nun ganz schnell eine Antwort per Post zusenden. Soweit so gut.
In meinem Emailpostfach erhalte ich schnell noch eine Bestätigung meines Antrags - keine Kopie meiner angegebenen Daten, nur eine Bestätigung.
Schon zwei Tage später habe ich einen erstaunlich dicken Briefumschlag von der Bank in der Post. Gute Nachrichten - mein Antrag ist bewilligt.
Neugierig nehme ich den Kreditantrag in Augenschein. Als erstes fällt mir auf, dass er nicht nur ziemlich dick ist, sondern auch schlecht getackert. Von anderen Banken kenne ich schöne übersichtliche Mappen mit Unterlagen - dieser Kreditantrag ist aus Lesersicht sehr unfreundlich getackert.
Richtig große Augen bekomme ich jedoch als ich die Daten im Vertrag genauer in Augenschein nehme: In der Darelehensberechnung ist eine Restschuldversicherung mit 173,12 € angesetzt. In Klammern steht aber der Hinweis "falls angemeldet, VGL. VI". Als Gesamtbetrag werden statt der erwarteten 3.068,32 € nun inklusive Restschuldversicherung 3.241,44 € ausgewiesen.
Nun gut. Also schaue ich unter Punkt VI.
Was sehe ich da? "Der Darlehensnehmer 1 möchte seine Darlehensverpflichtungen absichern..." Nein, wollte er eigentlich nicht. Es ist bereits angekreuzt, dass ich gern eine Ratenschutz-Lebensversicherung haben möchte. Und nicht nur das. Der Darlehensnehmer wünscht wohl auch eine Unfall-Zusatzversicherung. Wollte ich eigentlich auch nicht. Enttäuschend.
Aber es geht ja noch weiter.
Es gibt einen Punkt B. "Darlehensantrag Clever Card". Davon lese ich nun wirklich zum ersten mal, im Onlineantrag stand dazu nichts. Auch nicht auf Check24.
Ist natürlich auch gleich angekreuzt. Aus meinem Antrag für einen günstigen Ratenkredit ist nun also schon ein Antrag für 2 Versicherungen und einen Rahmenkredit mit zusätzlicher Zahlungskarte geworden. Langsam weicht die Entäuschung und es macht sich Bewunderung für soviel Dreistigkeit breit. Sollte ich also diesen Rahmenkredit nutzen, werden auch gleich recht happige Zinssätze fällig. Nicht schlecht, liebe Santander Consumer Bank. Das wars aber immer noch nicht. Ich blättere eine Seite weiter:
Auch die Clever Card möchte natürlich abgesichert werden. Also folgt Versicherung Nummer 3. Diese kostet 0,89% des monatlichen Sollsaldos und wird freundlicher Weise gleich dem Darlehenskonto belastet. Ich bin also mit 1000 € im Minus und zahle dafür in einem Monat 8,9 €. Auf 12 Monate sind das dann ungefähr 96 €. Über 90 € für eine Versicherung - und die happigen Zinsen von der Vorseite kommen ja auch noch.
Meine erste Reaktion war - zerreißen.
Dann entschloss ich mich der Bank eine Email zu schreiben und mal nachzufragen was das soll. Im Kreditantrag findet sich leider keine Emailadresse. Nur eine Telefonnummer. Da ich aber ein Freund der Beweiskraft des geschriebenen Worts bin, sendete ich eine Email an die im Impressum der Bank angegebene Emailadresse.
Das ist jetzt eine Woche her. Ich habe von der Bank weder eine Eingangsbestätigung noch eine Antwort auf meine Email bekommen.
Nachdem ich kurz überlegt habe, einfach alles zu streichen was mir nicht gefällt, bzw. was ich nicht online beantragt habe, habe ich mich entschlossen, dieses "Schnäppchen" nicht zu beantragen. Kurze Rücksprache mit einem befreundeten Anwalt empfahl mir dann doch meiner ersten Reaktion nach zu gehen. Antrag zerreissen. Ich hoffe, irgendeine Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest oder sonst irgendjemand nimmt sich mal die Zeit dem Thema nach zu gehen. Ich hoffe auch, dass niemand so einen Kreditantrag ernsthaft unterschreibt.
Falls das ganze ein Versehen war, kann die Bank ja einfach allen Kreditbeantragern der letzten Monate korrigierte Unterlagen zusenden. Ich wäre dann auch dabei.